Antwort auf: 1×12 – Ein Quantum Gerechtigkeit | Legacy



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garakvsneelix
Mitglied

Die grundsätzlichen Tugenden von PoI werden auch in dieser Folge sichtbar gar keine Frage. Beginnen möchte ich da mit der Qualität der Drehbuch-Dialoge, die ich einfach etwas höher ansetze als beim Durchschnitt: Wenn Carter Reese bei ihrem ersten Treffen erst einmal einen „nice suit“ attestiert, spielt das schön auf Johns Superheldennamen an. Okay, das ist jetzt vielleicht nicht ganz so große Kunst, aber trotzdem… es gibt Gründe, warum in der PoI-Wiki auch immer verh#ltnismäßig viele Zitate gesammelt werden: „Mr Garcia didn’t watch both ways before crossing the street“ ist herrlich trocken und „You’re getting paranoid, Carter – that’s a step into the right direction“ reiht sich ein in die eigentlich mal zu publizierende Liste der zahlreichen PoI-Zitate zum Thema Paranoia.

Zum Thema Paranoia leistet insbesondere die Entwicklung, dass Fusco nun Finch folgen soll, ein paar nette Akzente. Die Hauptfiguren, die doch auf einer Seite stehen, sind so paranoid, dass sie sich jetzt gegenseitig beschatten. Finchs Paranoia wird zudem dadurch bestätigt, dass ja sogar sein eigener Partner ihm nachspionieren lässt. Ganz nebenbei ist das eine nette, neue Einbindung von Fusco, der ja eigentlich, nachdem Carter nun John nicht mehr jagt, sondern mit ihm zusammenarbeitet, fast obsolet werden könnte.

Die B-Handlung rund um Nathan Ingrams Sohn Will hält vor allem wach, dass es neben den täglichen Nummern auch durchgehende Handlungsfäden gibt und vor allem die Vergangenheit der Figuren noch weitestgehend im Unklaren liegt. Das ist ganz nett eingebaut und sorgt sicherlich für ein paar der besseren Szenen der Episode. Auch gegen die A-Handlung kann man per se so nichts sagen: Eine Anwältin aus Queens, die vor allem daran interessiert ist, ehemaligen Kleinkriminellen u. ä. zweite Chancen zu verschaffen, wird von unbekannter Chance bedroht. An sich ist das eine nette Handlung mit vielen potenziellen Verdächtigen und die ich auch von moralischer Seite aus unterstütze: Dieser Glaube an zweite Chancen ist doch eigentlich ein häufig vergessener Grundsatz des ganzen Rechtssystems.

Trotzdem fühlt sich die Folge halt merkwürdig mittelmäßig an. Ich würde gar nicht behaupten, dass sie die Schlechteste der bisherigen Serie gewesen wäre oder irgendwie wirklich schlecht… aber man merkt an dieser Stelle dann doch schon, dass man allmählich eben doch etwas mehr „roten Faden“ haben möchte. Es hat sich halt zuletzt schon zu viel aufgebaut, allen voran Elias inklusive der korrupten Bullen, aber auch eben z. B. Johns Vergangenheit (Was ist damals mit Kara passiert?) oder Finchs Vergangenheit.

Allerdings gehört das irgendwie auch – und das wird sich in den späteren Staffeln auch immer wieder zeigen – zum Konzept der Serie. Wie ich neulich schon schrieb: Schon im Piloten warnte Harold John und den Zuschauer, dass die Nummern eben niemals aufhören werden. Bei all den roten Fäden wird es immer wieder Folgen wie diese geben, COTW-Folgen. Mit wachsendem Interesse am roten Faden – und dass man mir Zeit gibt, dieses Interesse zu entwickeln, habe ich ja ganz klar als Stärke der Serie benannt – wächst aber auch der Anspruch an COTW-Folgen.