Antwort auf: The Walking Dead 8×08: How It’s Gotta Be



#509562
schlumbl
Mitglied

@schlumbl:

Ich stimme dir absolut zu. Dieses gefährliche und Gebiet-entdeckende Setting der ersten Staffeln ist total verloren gegangen. Auch dass der Krieg nun aktiv ist, macht es seltsam. Die Walker haben dann immer nur so seltsame Auftritte wenn es für die Erzählung nötig ist, aber dass sie die grösste Gefahr eigentlich sind, ist verloren gegangen. Man erinnere sich nur mal an Rick als er das Krankenhaus verlässt und um sich einfach nur die völlige Vernichtung sieht… oder als sie am CDC ankommen. Da ist sichtbar das Militär aufgefahren und hatte keine Chance. Solche Gefährlichkeit will ich wieder sehen. Und das funktioniert nun mal nur über den Tod von wichtigen Figuren und nicht dadurch dass mal wieder ein Red Shirt geopfert wird.
Die Geschichte mit Chandler Riggs ist ja wohl einfach nur traurig. Geplant auf lange Basis (analog der Comics wo er ja eben eine mehr und mehr wichtige Rolle einnimmt) und dann wegen Kohle knallhart gefeuert. Dafuq? Klang ja nichtmal nach einem Streit sondern wohl hat er Forderungen gestellt und wurde deswegen knall auf fall geschmissen. ganz miese Art. Klar könnte man bei einem heavy shitstorm noch reagieren und eben die „war ein Mensch der gebissen hat!“ oder echt die „oh Carl ist immun gegen Zombie-Bakterien“-Schiene verwenden, aber seit dem Glenn-Gate (was ich nicht wirklich schlimm empfand) wird AMC das kaum nochmal machen wollen. Es bleibt also beim fahlen Beigeschmack.

So haben sie nun zwangsweise eine deutliche Abspaltung von den Comics und könnten es sogar direkt und heftig durchziehen. Aaaaaaaaber… *mahnend Finger hochhält und nochmal wiederholt* … aaaaaaaber… liebe Freunde der guten Unterhaltung: Ihr wisst was für eine Qualität die Schreiberlinge bei TWD haben, ja? Und wenn diese Leute, welche die Qualität in den Sturzflug-Modus gestellt haben seit gefühlt zwei Staffeln, wenn diese Leute dann quasi eine gute, neue Story erschaffen sollen, dann bin ich sowas von extrem pessimistisch. Kann klappen und vielleicht fördert diese Freiheit die Kreativität, aber ich fürchte dass das Ergebnis extrem schlecht wird. Ich lasse mich wie immer gerne positiv überraschen :)

Ja, finde ich auch. Irgendwie ist das Original-Feeling der ersten Staffeln total futsch. Wir haben alles durch Rick’s Augen erstmal erfahren und erkunden müssen, alles war bedrohlich und irreal. So eine gefühlserzeugende Wirkung ist dringend wieder nötig. Nicht, daß ich die psychische Hölle von Rick, als Negan auf den Plan tritt (und überhaupt), schlecht machen will. Im Gegenteil: Andrew Lincoln hat wirklich verdammt gute Arbeit hingelegt und tiefe Tiefen augelotet, um uns mitleiden zu lassen. Aber dennoch fehlt die letzen paar Jahre etwas in der Serie. Und daß die Beißer nur noch eine eher untergeordnete Rolle spielen, stört mich ebenfalls. Klar, muß man auch die menschlichen Abgründe zeigen, die sich in so einer Welt entwickeln, aber irgendwann ist’s auch mal gut damit.

Naja, ein Red Shirt wurde jetzt nicht grade geopfert, immerhin hat’s ja Carl erwischt, ne?
Das ist irgendwie ein zweischneidiges Schwert, wenn’s den Hauptcast trifft: Einerseits werden die Nebencharakter-Tode nach einer gewissen Zeit öde und sogar vorhersehbar. Andererseits ist vom anfänglichen Hauptcast nicht mehr wirklich viel da zum sterbenlassen: Rick (unantastbar/Hauptcharakter und unser Anker), Daryl (ZU wichtig zum sterben, weil die Fans dann wegrennen), Carol (meines Erachtens mittlerweile überflüssig geworden, trotz ihrer Wandlung in „Killer-Carol“) und ich zähle noch Maggie und Michonne dazu (Maggie ist zu wichtig, weil sie WAHRSCHEINLICH die zukünftige Anführerin von Hilltop werden wird, Michonne hat ebenfalls eine riesige Fangemeinde). Und Carl hat’s jetzt eben erwischt – und die Fans gehen auf die Barrikaden.
Irgendwie kann man es momantan nicht richtig machen, denn das „Niemand ist Sicher“-Spiel kann man nicht mehr spielen. Das hat anfänglich gut geklappt, auch bei mir. Das war ein Hauptgrund, weshalb mir TWD auf Anhieb gefallen hat. Aber das geht einfach nicht mehr. Man sieht automatisch alle außer die oben genannten als Red Shirt-Typ an, weil die emotionale – ich nenn’s mal – Bindung nicht mehr aufgebaut werden kann. Im Übrigen finde ich, daß man mittlerweile die austauschbaren Charaktere von Anfang an erkennt, als würden sie WIRKLICH ein rotes Shirt tragen. Scheibar werden die mittlerweile so gecastet. Deswegen stellt sich beim Ableben derer auch keine Schockwirkung mehr ein.

Ich denke auch NICHT, daß Carl wirklich von einem Menschen gebissen wurde und die Sache mit der Immunität klingt auch an den Haaren herbeigezogen. Außerdem sah Carl verdammt krank und fiebrig aus in der Episode, also nee, der ist Toast.

Ich finde auch, daß sich das Glenn-Debakel zu lange hingezogen hat. Ich weiß nicht, irgendwie hatte es keine echte Schockwirkung mahr nach 6 Monaten Wartezeit. Außerden läuft man heutzutage sehr schnell Gefahr, überall im Netz vollgespoilert zu werden. Beispielsweise habe ich ein paar Kanäle auf YT abonniert, die sich mit TWD auseinandersetzen – und die muß ich nach einem Cliffhanger-Ende höllisch meiden. Hätte man beim season-6-Finale SOFORT gesehen, wen Negan zu Klump gehauen hat und uns Zuschauer erst DANN in die 6-monatige Wartehölle geschickt, wäre es wohl noch stärker eingeschlagen. In der Zeit hätten wir Glenn und Abraham betrauern können, ohne gleich ins nächste Elend gestürzt zu werden. Naja, kam halt anders und tut jetzt auch nix mehr zur Sache.

Eine Abspaltung von der Vorlage ist auch ganz knifflig: Die Fans der Vorlage befriedigen, plus die Nur-TVler, das ist nicht ohne und ein echter Drahtseilakt, den ich nicht bewerkstelligen wollte. Man kann es nie allen recht machen, aber muß es zumindest bei den MEISTEN.
Lasst uns wirklich ganz stark hoffen, daß AMC das ganze mit der neuen Weichenstellung NICHT gegen die Wand fährt.
Auch wenn das alles Jammern auf ganz hohem Niveau ist…;)