Die Sopranos – Worum geht es?



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    Randy Taylor
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    Die Sopranos, das ist eine der mit Abstand innovativsten, interessantesten US-Fernsehserien der letzten Jahre. Dabei ist Die Sopranos eine Serie fernab amerikanischen Fernseheinerleis. Sie ist härter und brutaler als normale Serien. Sexualität findet nicht nur im Off statt, die Sprache ist derber. Und all dies ist dramaturgisch notwenig, denn Die Sopranos ist eine Mafia-Serie, in dessen Mittelpunkt Tony Soprano (James Gandolfini) steht. Tony ist der Pate von New Jersey. Doch Tony ist anders als andere Paten. Natürlich ist er ein Verbrecher. Er verdient sein Geld durch allerlei illegale Geschäfte. Und wie es sich für einen italienischen Paten gehört, hat er daheim ein Frau, die er liebt (Edie Falco) und zwei wohlgeratene Kinder. Er hat eine unantastbare Mama (Nancy Marchand) und hin und wieder vergnügt er sich mit Prostituierten — was an seiner Liebe für seine Frau nichts ändert. Und trotzdem ist Tony kein normaler Pate.

    Mit genau diesem Unterschied beginnt die erste Episode Tony in der Krise. Auf Anraten seines Arztes nämlich besucht er die Psychiaterin Jennifer Melfi (Lorraine Bracco). Ungern nur begibt er, der italienische Macho, sich auf die Couch einer Seelendoktorin. Allerdings hat Tony eingesehen, dass er dringend Hilfe benötigt. Hinter der groben Fassade des Mafia-Paten nämlich verbirgt sich ein an sich liebenswerter Kerl, der eigentlich nur ein anständiges Leben mit Frau und Kindern führen möchte. Das Amt des Paten hat er von seinem Vater geerbt — und bis zu einem gewissen Grad hat er dieses Amt mit all den Attributen, die von einem Paten verlangt werden, auch ausgefüllt. Aber Tony ist nett! Kein Wunder, dass er auf Grund seiner inneren Zerrissenheit eines Tages einen Nervenzusammenbruch erleiden musste. Steht er Dr. Melfi zunächst skeptisch gegenüber, entwickelt er sehr schnell zu ihr eine freundschaftliche Beziehung, denn sie ist der erste Mensch, der ihm zuhört — ohne ihn für das, was er ist, zu verurteilen.

    Das Mafia-Bild, das Tony in der Krise kreiert, bewegt sich jenseits der Schablonen, die wir aus Hollywood kennen. Die Mafia, das ist keine ehrenwerte Gesellschaft, die zwar mit Verbrechen ihr Geld verdienen mag, die aber dennoch der Hauch des Geheimnisvollen, Faszinierenden umgibt wie etwa jenen Figuren aus Der Pate. Die Sopranos sind Vorstadtkriminelle — und darüber hinaus ein ziemlich widerliches Packzeug. In seinen Gesprächen mit Dr. Melfi stellt Tony seine Familie in Rückblicken vor. Da ist sein Neffe Christopher Moltesani (Michael Imperioli), ein brutaler Jung-Macho und kaltblütiger Mörder mit Hang zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen, der auf Grund seiner Mafiazugehörigkeit glaubt, unantastbar zu sein. Da ist Onkel Junior (Dominic Chianese), der Bruder seines verstorbenen Vaters, hinter dessen Biedermann-Fassade sich ein rücksichtsloser Intrigant verbirgt, der es nie ganz verwinden konnte, nur der Bruder des großen Paten gewesen zu sein. Und dann gibt es noch Tonys Mama Livia Soprano (Nancy Marchand), die nach Außen hin die treusorgende Mafia-Mutter darstellt, die natürlich nie mit den Geschäften ihres Mannes zu tun gehabt hat, die aber alles andere als eine liebenswerte alte Italienerin ist. Livia ist ein Albtraum, eine vom Leben frustrierte, alte Frau, die bereits ihrem Mann das Leben zur Hölle gemacht hat und seitdessen Tod Tonys Nerven strapaziert. Wirkt sie auf den ersten Blick unbeholfen, stellt man als Zuschauer schnell fest, dass dies nur eine Masche ist, mit der sie Mitleid zu erhaschen versucht — und ihre Umwelt, allen voran Tony, kontrolliert.

    Unsympathischere Mafiosi hat man im Fernsehen noch nie zu sehen bekommen. Mit viel Witz, Zynismus und Sarkasmus erzählt Regisseur Chase nun die Geschichte vom Nervenzusammenbruch und porträtiert mit Tony einen an sich netten Kerl, dem man wünschte, dass er doch einen solideren Job als den eines Mafia-Paten erlernt hätte. –Christian Lukas

    Quelle: Amazon.de

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